Fondsanlagen_Fragies Zinsumfeld_Helaba invest
17.06.2026

Fondsanlagen im fragilen Zinsumfeld

Im Zuge der geopolitischen Unruhen im Nahen Osten rückt für Anleger die Qualität der Allokation noch stärker in den Vordergrund. In einem nur moderat wachsenden und unsicheren Umfeld sind breit diversifizierte Portfolios besonders gefragt. Staats- und Unternehmensanleihen, Aktien sowie gezielte Alternative Investments, wie Immobilien, Infrastruktur, Private Debt oder Private Equity, tragen zur Stabilität und Rendite bei. Besonders wichtig bleibt eine flexible und sorgfältige Mischung verschiedener Ertragsquellen.

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Geopolitik, Energiepreise und Notenbanken prägen die neue Marktphase

Nach der geldpolitischen Wende steht im Euroraum inzwischen weniger die Frage nach einer normalen Zinszyklik im Vordergrund als die nach der Belastbarkeit des wirtschaftlichen Umfelds. Unsere aktuellen Einschätzungen sprechen für ein Szenario, in dem die Eurozone zwar nicht in eine ausgeprägte Rezession abgleitet, das Wachstum aber vorübergehend spürbar an Dynamik verliert. Die Inflation dürfte auf Gesamtjahressicht klar über das Notenbankziel hinausschießen, wenngleich der Inflationsimpuls bereits nahe seines Höhepunkts liegen dürfte und wir für 2027 wieder ein Unterschießen der 2%-Marke erwarten. Dies sollte perspektivisch die Zinserhöhungsfantasien der Marktteilnehmer begrenzen.

Mit der jüngsten Anhebung um 25 Basispunkte auf einen Einlagensatz von 2,25 % hat die EZB ohnehin bereits Entschlossenheit bei der Inflationsbekämpfung signalisiert; die verbleibende Unsicherheit kommt nun vor allem aus dem geopolitischen Umfeld, dass trotz eines sich abzeichnenden Deals im Nahost-Konflikt fragil bleibt. Substitutionseffekte und die Nutzung der globalen Ölreserven haben die Energiepreise zuletzt stabilisiert, unterliegen aber gewissen (zeitlichen) Grenzen. Im Basisszenario der Helaba Invest – einer Normalisierung in den kommenden ein bis zwei Monaten – erscheinen die Auswirkungen auf Wachstum und Inflation jedoch noch beherrschbar. Damit bleibt das Grundbild für 2026 weiterhin konstruktiv, ohne dass von einem wirklich störungsfreien Marktumfeld ausgegangen werden kann.

Staatsanleihen

Für institutionelle Anleger bedeutet dies vor allem eine Rückkehr zu stärker differenzierten Kapitalmarktchancen. Staatsanleihen gewinnen wieder an strategischer Bedeutung, allerdings weniger wegen großer Kursfantasie als wegen ihrer wieder verlässlicheren laufenden Erträge und ihrer stabilisierenden Funktion im Portfolio. Für zehnjährige Bundesanleihen liegt der Zielkorridor bis Ende 2026 bei 2,75 % bis 3,15 %. Das spricht für ein Umfeld, in dem Rentenanlagen wieder ein substanzieller Portfoliobaustein sind, die neben historisch wieder auskömmlichen Zinserträgen auch von einer steilen Zinskurve profitieren.

Unternehmensanleihen

Auch Unternehmensanleihen bleiben in diesem Umfeld relevant, verlangen jedoch mehr Auswahl und Trennschärfe. Im Investment Grade-Bereich bleibt die strukturelle Nachfrage ein wichtiger Stützungsfaktor, während im Bereich höher verzinslicher Anleihen die Bewertungen ambitionierter erscheinen. Chancen sehen wir insbesondere dort, wo solide Fundamentaldaten mit attraktiven Einstandsrenditen zusammentreffen, etwa in Teilen der Schwellenländeranleihen. Insgesamt gilt damit auch im Kreditsegment: Nicht der breite Markt allein entscheidet über den Anlageerfolg, sondern die sorgfältige Auswahl innerhalb der einzelnen Segmente.

Aktien

Für Aktien bleibt das Bild trotz erhöhter Unsicherheit grundsätzlich intakt. Robuste Unternehmensgewinne und anhaltende Investitionen in neue Technologien sprechen gegen eine allzu defensive Grundhaltung. Zugleich wird Disziplin im Umgang mit hohen Bewertungen und einer sehr ausgeprägten Marktkonzentration verlangt. Aktien bleiben ein wichtiger Renditebaustein, allerdings nicht als Selbstläufer, sondern als Anlageklasse, in der Qualität und Selektivität wieder stärker zählen.

Immobilien und Infrastruktur

Durch die Beimischung von Alternative Investments lassen sich sowohl die Diversifikationseffekte verstärken als auch die Gesamtperformance eines institutionellen Portfolios verbessern. Immobilien bleiben ein relevanter Portfoliobaustein, wenn es um langfristige Wertstabilität, laufende Erträge und den Zugang zu unterschiedlichen Nutzungsarten und Marktsegmenten geht. Infrastruktur gewinnt zusätzlich an Gewicht, weil sie stabile Cashflows, geringe Korrelation zu traditionellen Anlageklassen und strukturellen Rückenwind aus Digitalisierung, Energiewende und Modernisierungsbedarf verbindet. Ergänzt wird dieses Spektrum insbesondere durch Private Equity und Private Debt, die zusätzliche Renditequellen erschließen und institutionellen Portfolios eine noch breitere Aufstellung jenseits börsennotierter Märkte ermöglichen.

Multi Asset

Multi Asset-Strategien verbinden unterschiedliche liquide und/oder illiquide Anlageklassen zu einem Gesamtportfolio, das auf konkrete Ertrags- und Risikoziele ausgerichtet ist. Wir verstehen diesen Bereich ausdrücklich als Verbindung von strategischer Asset Allokation, aktivem Risikomanagement und taktischer Nutzung von Marktchancen. Der Mehrwert entsteht damit nicht aus einzelnen Titeln oder Segmenten allein, sondern aus der strukturierten Kombination verschiedener Risikoprämien. Für institutionelle Anleger ist das vor allem dort relevant, wo Portfolios flexibel, regulierungssensitiv und robust aufgestellt werden müssen.

Fazit

In der Gesamtschau spricht vieles für eine Kapitalmarktphase, in der breite Diversifikation und aktive Steuerung wieder klar an Bedeutung gewinnen. Über die von der Helaba Invest abgedeckten liquiden und illiquiden Anlageklassen hinweg dürfte der Anlageerfolg 2026 wieder weniger von einer einzelnen großen Marktrichtung abhängen als von der Qualität der Allokation. Gerade in einem Umfeld moderaten Wachstums und zugleich hoher geopolitischer Unsicherheit wird damit die Fähigkeit entscheidend, unterschiedliche Ertragsquellen klug miteinander zu verbinden.

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Was lange währt…

Die Furcht vor dem Ende des Euro und damit der Refinanzierungsquelle europäischer Staaten führte zu einer jahrelangen, äußerst expansiven EZB-Leitzinspolitik („Whatever it takes“). Etwas verlängert wurde diese Phase durch Wachstumsängste während der Corona-Pandemie. Wenngleich die Renditerückgänge bis in den Null-/Negativbereich attraktive Perfomanceergebnisse brachten, hatten auf laufende Erträge angewiesene Anleger „absoluten“ Notstand. Nicht selten führte dies auch zur Allokation in illiquide und risikobehaftete Investments, die – im Nachhinein betrachtet – vielfach ebenfalls nicht den gewünschten Erfolg erzielten.

Letztlich wurde die Niedrigzinsphase erst nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine und dem Anstieg der Energiekosten im zweiten Halbjahr 2022 beendet. Zuletzt eskalierte zudem Anfang März die kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem Iran und USA/Israel. Im Zuge der Blockade der Straße von Hormus, explodierender Energiepreise und neuerlicher Inflationssorgen erreichten 10jährige Bundesanleihen mit 3,2% ein neues Zinshoch, das seit 15 Jahren nicht mehr zu sehen war. Auch die Renditen kurzer Laufzeiten sind aufgrund des Angebotsschocks zuletzt sogar überproportional stark angestiegen (siehe Abbildung).

Kapitalmarktausblick: Einladung zum Online Seminar Helaba Invest 06_2026

Solide Fundamente für anspruchsvolle Zeiten: Wo Investoren Stabilität und Alpha finden – Einladung zum Online-Seminar // 23. Juni 2026

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In solchen Phasen wird besonders sichtbar, welche Portfolios auf einem tragfähigen Fundament stehen. Defensive, qualitätsorientierte Anlageansätze gewinnen an Attraktivität, weil sie nicht auf ein einziges, eng umrissenes Makroszenario angewiesen sind.