Neustrukturierung der Eigenanlagen Asset AllocationPlus Helaba Invest
15.07.2025

Neustrukturierung der Eigenanlagen im Rahmen einer Sparkassenfusion – ein Erfahrungsbericht

Viele Sparkassen sehen sich aktuell mit einem tiefgreifenden Wandel konfrontiert: Vorstandswechsel im Zuge einer Fusion oder eines Generationenwechsels bringen nicht nur personelle Veränderungen mit sich, sondern erfordern oft auch eine kritische Überprüfung und Neuausrichtung bestehender Strategien. Die Frage, wie das Eigengeschäft künftig aufgestellt sein soll, rückt dabei verstärkt in den Fokus: Welche Anlagestrategie ist unter veränderten Rahmenbedingungen tragfähig? Welche Strukturen sind effizient, regulatorisch robust und zukunftssicher?

In dieser Situation gewinnen strukturierte, strategische Beratungsansätze an Bedeutung. Mit unserem Konzept „Asset-AllocationPlus“ begleiten wir Sparkassen auf dem Weg, ihre Eigenanlagen gesamthaft zu analysieren, zu bewerten und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln – methodisch fundiert und gleichzeitig praxisnah.

Ein gelungenes Beispiel für die Anwendung unseres Konzepts liefert die Kreissparkasse Halle-Wiedenbrück, die im Zuge ihrer Fusion im Jahr 2024 die Chance genutzt hat, ihre Eigenanlagen grundlegend neu aufzustellen. Im Rahmen eines Workshops beim „15. Bundesweiten Erfahrungsaustausch Kapitalallokation und Risikotragfähigkeit“ in Landshut konnten wir dieses Projekt als Best Practice vorstellen. Im folgenden Beitrag erläutern wir die wesentlichen Erkenntnisse und Umsetzungsschritte.

Neustrukturierung der Eigenanlagen Asset AllocationPlus Helaba Invest

Ausgangssituation

Mit der Fusion der Kreissparkassen Halle (Westfalen) und Wiedenbrück zur neuen Kreissparkasse Halle-Wiedenbrück im Jahr 2024 begann ein tiefgreifender Transformationsprozess – insbesondere im Bereich der Eigenanlagen. Frühzeitig wurde im Rahmen der Fusionsgespräche Anfang 2023 deutlich, dass die beiden Institute nicht nur unterschiedliche Anlagestrukturen, sondern auch abweichende Herangehensweisen im Umgang mit dem Depot A entwickelt hatten. Die Herausforderung bestand folglich nicht allein in der operativen Zusammenführung zweier Bestände, sondern vielmehr in der Ausarbeitung einer gemeinsamen, zukunftsgerichteten Anlagestrategie.

Um diese grundlegende Neuausrichtung fundiert zu gestalten, entschieden sich beide Häuser, ihre bisherigen Asset-AllocationPlus-Studien zu einem einheitlichen Stichtag zu aktualisieren. Ziel war es mit Unterstützung der Helaba Invest, die Eigenanlagen umfassend zu analysieren und unter Einbezug interner Limite, bestehender Strukturen und regulatorischer Rahmenbedingungen auf Gesamtbankebene zu optimieren. Im Verlauf der Analyse wurde schnell klar, dass sich die künftige Zielstruktur mit den vorhandenen Master- und Spezialfonds in ihrer bisherigen Form schwer bis kaum umsetzen lässt. Vielmehr war eine komplette Neuausrichtung notwendig, um die künftige strategische Anlagestruktur konsistent sowie effizient umsetzen und managen zu können.

Vorgehen der fusionierten Sparkasse

Die nachfolgende Grafik zeigt die zentralen Schritte auf dem Weg zur erfolgreichen Integration.

Abb1 Schritte zur Fusion von zwei Sparkassen

Abb. 1: Schritte auf dem Weg zur erfolgreichen Fusion von Sparkassen

Bereits in den ersten gemeinsamen Sitzungen des neu formierten Anlageausschusses wurde deutlich, dass für die erfolgreiche Umsetzung der Neuausrichtung ein gemeinsames strategisches Fundament erforderlich ist. Die Sparkasse entschied sich daher bewusst, ein einheitliches Verständnis der künftigen Anlagestrategie in Form einer eigenen Treasury-Strategie zu verabschieden. Dieses Strategiepapier schuf nicht nur Klarheit über die Zielsetzung, sondern stellte auch Verbindlichkeit und Transparenz innerhalb des Hauses her. Ferner diente es als zentraler Orientierungsrahmen für alle weiteren Schritte und erwies sich als wesentlicher Erfolgsfaktor für die zügige und stringente Umsetzung des Projekts.

Gestützt auf die Zielstruktur aus der Asset-AllocationPlus-Studie sowie den in der Treasury-Strategie definierten Rahmenbedingungen – einschließlich eines konkreten Umsetzungszeitpunkts – wurde ein detaillierter Projektplan in Zusammenarbeit mit der Helaba Invest erarbeitet. Notwendige Umsetzungsschritte wurden institutsintern abgestimmt, priorisiert und schließlich von Seiten des Vorstandes verabschiedet.

Der Projektplan sieht drei zentrale Arbeitsstränge vor:

  1. Eigenanlagen,
  2. Masterfonds sowie
  3. LCR-Fonds.

Im weiteren Verlauf sollen die Maßnahmen im Bereich der Masterfonds – da hier die tiefgreifendsten Veränderungen erforderlich waren und die größte strategische Wirkung erzielt wurde – dargestellt werden.

Umsetzung Masterfonds

Die gemeinsame Umsetzungsphase begann mit einer umfassenden Analyse der Ist-Situation – stets im Abgleich mit den strategischen Zielsetzungen. Im Fokus standen dabei insbesondere die Konzentration auf wesentliche Anlageklassen sowie die Vereinfachung der Limitstruktur durch eine sortenreine Allokation. Angelehnt an die Design-Philosophie „form follows function“ entwickelten wir gemeinsam zunächst die optimale Struktur für die künftigen Eigenanlagen – unter sorgfältiger Abwägung der jeweiligen Vor- und Nachteile möglicher Umsetzungsvarianten.

Abb2 Umsetzungswege Zur Zielallokation

Abb. 2: Beispielhafte Darstellungen der Umsetzungsvarianten

Auf Basis der definierten Ziele, der geplanten Anlageklassen sowie den angestrebten Volumina fiel die Entscheidung auf das sogenannte Spezialisten-Modell.

Im nächsten Schritt berieten wir die Sparkasse im Aufbau der künftigen Segmente des Masterfonds unter inhaltlichen und strukturellen Gesichtspunkten. Parallel dazu wurde der Projektplan weiter verfeinert – unter Berücksichtigung des angestrebten Umsetzungszeitpunkts, der Fusionsbedingungen sowie weiterer institutsinterner Abhängigkeiten.

Ein erster wesentlicher Meilenstein war die Auswahl der künftigen Kapitalverwaltungs-gesellschaft (KVG) und Verwahrstelle für die fusionierte Sparkasse. Darauf aufbauend wurden in einem iterativen Prozess der Fahrplan für die Auflage neuer Segmente, die Zusammenführung bestehender Spezialfonds sowie die finale Zielstruktur des Masterfonds Schritt für Schritt ausgearbeitet und abgestimmt.

Abb3 Zielstruktur Eines Masterfonds

Abb. 3: Schematische Darstellung der finalen Zielstruktur des Masterfonds

Im weiteren Verlauf des Projekts wurden in zwei speziell eingerichteten Workshops die Anforderungen an ein übergeordnetes Risiko-Overlay definiert und dessen Steuerungsparameter abgestimmt. Parallel dazu erarbeiteten wir zusammen mit der Sparkasse für jedes Segment der angestrebten Zielstruktur einen detaillierten Steckbrief, der zentrale Elemente wie Zielsetzung, Anlagekonzept, wesentliche Restriktionen, Benchmark sowie das angestrebte Zielvolumen enthielt. Diese Steckbriefe bildeten die fundierte Grundlage für die anschließende Auswahl der Asset Manager – ein Prozess, den die Sparkasse strukturiert und auf Basis klar definierter Kriterien durchgeführt hat.

Das durchgängig systematische Vorgehen sowie die offene und lösungsorientierte Zusammenarbeit aller Beteiligten ermöglichten es, die umfangreichen Umstrukturierungsmaßnahmen nicht nur erfolgreich, sondern auch schneller als ursprünglich geplant umzusetzen.

Abb4 Projektplan Überführung Zielstruktur

Abb. 4: Verabschiedeter Projektplan für die Überführung in die Zielstruktur

Fazit
Das Projekt der Kreissparkasse Halle-Wiedenbrück belegt eindrucksvoll: Mit klaren Zielen, verbindlichen Rahmenparametern und einem strukturierten Vorgehen lassen sich selbst komplexe Anpassungen im Depot A zügig und professionell realisieren. In kurzer Zeit wurden mehrere Fonds fusioniert, ein bestehender Masterfonds komplett neu aufgestellt und ein Risiko-Overlay integriert – pünktlich, passgenau und ohne Reibungsverluste.

Wir danken der Kreissparkasse Halle-Wiedenbrück für das entgegengebrachte Vertrauen und die stets konstruktive und sehr gute Zusammenarbeit.

Steht Ihre Sparkasse vor vergleichbaren Herausforderungen? Wir sind Ihr kompetenter Partner von der Analyse bis zur Umsetzung. Sprechen Sie uns gerne an!

Wissen entscheidet.

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