16.09.2025

Anlagemärkte wie ein guter Tropfen – nicht grandios, aber grundsolide

Weinkenner wissen: Nicht jeder Jahrgang schafft es in den Keller. Manche reifen, manche kippen, manche sind zwar nicht grandios, aber dennoch genussvoll und grundsolide.

Und ein solches grundsolides, genussvolles Börsenjahr scheint sich bisher an den internationalen Anlagemärkten abzuzeichnen. Trotz anhaltender geopolitischer Spannungen und einer verschärften US-Zollpolitik haussierten die Aktienmärkte, begleitet von rückläufigen Credit-Spreads. Ebenso wirkte die Normalisierungsbewegung auf der Zinsstruktur positiv auf die Performance. Lediglich länger laufende Anleihen bereiteten den Anlegern bis dato weniger Freude – vor allem Sorgen um ein Wiederaufflammen der Inflation in den USA sowie mangelnde Fiskaldisziplin dies- und jenseits des Atlantiks sind ursächlich für die Kaufzurückhaltung von „Langläufern“ gewesen. Diese Zinsskepsis wirkt nach wie vor auch wie ein Bremsschuh für viele Immobilieninvestoren.

In unserer aktuellen Ausgabe wollen wir uns wie immer meinungsstark mit der Zukunft der Märkte beschäftigen. Die Welt befindet sich in einem fulminanten Wandel: Die Globalisierung alter Prägung scheint passé, nationale Interessen gewinnen an Bedeutung und Handelsblöcke fragmentieren sich. Welche Assetklassen und Anlageformen können hiervon profitieren? Wo liegen Risiken? Wohin steuern die Kapitalmärkte angesichts dieser großen globalen Umbrüche? Neben diesen Themen haben wir Ihnen auch dieses Mal wieder drei Sonderthemen mitgebracht:

So werden Thorsten Neufeld und Matthias Penz die historisch niedrigen Spreads am europäischen Fixed Income-Markt unter die Lupe nehmen und fragen: Wie nachhaltig ist dieses Umfeld? Axel Drwenski setzt sich mit den Chancen der Investition in Stromnetze auseinander, zeigt Zugangsmöglichkeiten auf und arbeitet heraus, was profitable Investments auszeichnet. Last but not least bleibt es auch im Real Estate Private Debt-Markt spannend: Desiree Hiecke und Ali Durna analysieren, wie sinkende Zinsen und innovative Whole Loan-Strategien attraktive Renditen eröffnen, aber auch neue Herausforderungen mit sich bringen. Wer langfristig investiert, sollte jetzt genauer hinschauen!

Ich wünsche Ihnen wie immer eine spannende Lektüre und hoffe natürlich, dass der ein oder andere Anlageimpuls wie ein „edler Tropfen“ Ihr Anlageportfolio bereichern wird.

Ihr
Olaf Tecklenburg

Wissen entscheidet.

Wohninvestments in Europa Helaba Invest

Wohninvestments in Europa: Kann Living noch Alpha liefern? Vom Safe Haven zur aktiven Wertschöpfung

Wohninvestments haben sich in Europa in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten von einer Nische zu einem der zentralen Segmente des gewerblichen Immobilienmarkts entwickelt. Seit der Finanzkrise 2008/09 ist der Wohnanteil am gewerblichen Transaktionsvolumen deutlich und kontinuierlich gestiegen (siehe Abbildung 1). Treiber waren zum einen die sehr attraktiven Fundamentaldaten: In vielen Metropolregionen blieb das Angebot aufgrund knapper Grundstücke, steigender Baukosten und zurückhaltenden Projektentwicklungsaktivitäten begrenzt, während die Nachfrage infolge Binnenwanderung, steigender Studierendenzahlen und wiederkehrender Migrationswellen kontinuierlich zunahm. In der Nullzins- und Negativzinsphase 2015–2020 und noch einmal stärker während der Corona-Pandemie etablierten sich Wohninvestments zudem als „Safe Haven“. Wegen ihrer Krisenresilienz wurden sie als „bond-like“-Investment – als Ersatz für Zinsanlagen – angesehen.

Renaissance defensiver Aktienstile Helaba Invest

Die Renaissance defensiver Aktienstile – Die Rückkehr der Inflation verändert die Kapitalmärkte

Das aktuelle Marktumfeld wird zunehmend von einem alten Bekannten bestimmt: Inflation. Nach einem kurzen Rückgang der Teuerungsraten mehren sich die Zeichen, dass der Preisdruck struktureller geprägt ist, als viele Investoren antizipiert hatten. Der kostspielige Umbau hin zu widerstandsfähigeren Lieferketten (Deglobalisierung), der demografisch bedingte Fachkräftemangel mit steigenden Löhnen sowie eine anhaltend expansive Fiskalpolitik bilden ein solides Fundament für höhere Inflationsraten – und damit für dauerhaft anspruchsvollere Zinsniveaus. Verstärkt wird dieser Trend durch eine Serie geopolitischer Schocks, welche die Märkte teilweise überraschend trafen: Zuerst der Ukraine-Krieg, der Energie- und Rohstoffpreise abrupt auf ein dauerhaft höheres Niveau hievte und die Illusion günstiger, jederzeit verfügbarer Energie beendete. Anschließend trieb der eskalierende Zollstreit rund um den „Liberation Day“ im vergangenen Jahr die Fragmentierung des Welthandels weiter voran und übte erneut Druck auf globale Lieferketten und Kostenstrukturen aus. Und schließlich die jüngste scharfe Eskalation im Nahen Osten, die die Sorge vor neuen Störungen bei Öl- und Gaslieferungen schürte.

Multi Asset Alternative Investments

Stabilität im volatilen Umfeld: Multi-Alternative-Strategien

Multi-Alternative-Fonds können institutionellen Anlegern unter einem Dach ein erhebliches Diversifikationspotenzial bieten und damit zur Stabilisierung beitragen. Gleichzeitig verringern sie den Aufwand und die Komplexität im Vergleich zu einem selbst aufgebauten breiten Portfolio. Axel Drwenski und Susanne Skujat zeigen, welche Bedeutung die Auswahl der konkreten Einzelbausteine und die Managerselektion für einen Multi-Alternative-Portfolio haben.

veröffentlicht im Absolut Report 3/2026, eine Publikation von Absolut Research