Vom Ausgangs- zum Zielportfolio: Evolution statt Revolution
Ausgangspunkt der Sparkasse Vorpommern war 2020 ein stark zinstragend geprägtes Portfolio mit hohen Beständen in öffentlichen und gedeckten Rentenpapieren. Die Herausforderung dabei: die Ertragskraft im anhaltenden Niedrig- und Negativzinsumfeld zu stabilisieren, ohne die Risikotragfähigkeit zu überfordern.
Der eingeschlagene Weg lässt sich in drei Kernelemente gliedern:
1) Schrittweiser Aufbau eines Zielportfolios
Anstatt in einem großen Schritt die Struktur zu verändern, erfolgte ein sukzessiver Aufbau mit festen Zielquoten für unterschiedliche Bausteine. Dies ermöglichte:
- eine laufende Anpassung an die Risikotragfähigkeit,
- das Ausnutzen von Markteintrittschancen,
- ein kontrolliertes Heranführen der gesamten Sparkasse an neue Assetklassen und Instrumente.
2) Parallel geführter Neue-Produkt-Prozesse (NPP)
Neue Anlagen, wie z.B. die Internationalisierung der Covered Bonds, Nachranganleihen oder auch Absicherungsinstrumente wurden nicht isoliert betrachtet. Produktfreigabe und Abbildungsentscheidung (Direktanlage, Spezialfonds/ Masterfonds) erfolgten parallel. Dies stellt sicher, dass:
- regulatorische, bilanzielle und steuerliche Anforderungen erfüllt werden,
- die operative Abbildbarkeit (Prozesse, Systeme, Reporting) gegeben ist,
- das Produkt in die Gesamtstrategie und das Zielportfolio passt.
3) RoRaC als zentrale Steuerungsgröße
Die Erfolgsmessung fokussierte sich nicht nur auf die nominale Rendite, sondern auch auf die risikoadjustierte Performance. Historische Marktszenarien, eine definierte Haltedauer und ein hinreichend hohes Konfidenzniveau bilden die Basis für die Bewertung im Rahmen der Asset-AllocationPlus – Beratung der Helaba Invest. Im Ergebnis konnte über die vergangenen Jahre eine stetige Verbesserung des RoRaC erzielt werden. Dabei verblieb das Portfolio trotz spürbarer Veränderungen auf einem nahezu gleichbleibendem Risikoniveau und konnte sukzessive die Performance steigern.
Risikosteuerung: Zwei-Säulen-Ansatz und konsequente Diversifikation
Eine zukunftsfähige Kapitalanlage benötigt eine klare Trennung von Funktionen und Risiken. Daher wird die strategische Asset-Allocation in der Sparkasse Vorpommern in zwei Segmenten abgebildet:
1) Direktanlage – Liquidität und Zinsbuchsteuerung
Die Direktanlage dient primär:
- der Sicherstellung der laufenden Liquidität,
- der Steuerung des Zinsbuchs,
- der Wahrnehmung ausgewählter, taktischer Marktchancen.
Im Vordergrund stehen überwiegend risikoarme Finanzinstrumente. Ziel ist die Stabilität und Planbarkeit, bei gleichzeitig attraktiver Rendite.
2) Masterfonds – Renditequelle und Risikopuffer
Im Masterfonds werden vor allem risikobehaftete Finanzinstrumente gebündelt, ergänzt um risikoarme Beimischungen. Zentrale Funktionen sind:
- die Verrechnung von Kursgewinnen und -verlusten innerhalb der Fondshülle,
- der Aufbau und die Nutzung stiller Reserven zur Kompensation von Kursschwankungen,
- eine breite Diversifikation über Assetklassen und Anlagestile.
Die Fondshülle wird so gewählt, dass sie die strategischen Ziele bestmöglich abbildet. Dabei spielen für die Sparkasse die Kapitalverwaltungsgesellschaft im Verbund, die Möglichkeit der Einbindung eines professionellen Assetmanagements für einzelne Segmente sowie ein optionales Risiko-Overlay eine wichtige Rolle.
Diversifikation auf allen Ebenen
Seit 2020 wurde die Risikosteuerung vor allem durch konsequente Streuung gestärkt. Der Ansatz folgt dem Grundsatz „Nicht alle Eier in einen Korb legen“ und greift auf mehreren Ebenen:
- Assetklassen: Erweiterung über klassische Staats- und Unternehmensanleihen hinaus (z. B. globale Investments, Infrastruktur, Nachrangkapital)
- Asset Manager und Anlagestile: Ausbau des bzw. der Manager im Fonds, Kombination unterschiedlicher Anlagestile (z. B. aktiv/passiv, Value/Growth, unterschiedliche Durations- und Kreditrisikostrategien)
- Einzelemittenten: Reduktion der Konzentration auf wenige größere Adressen
Zielsetzung ist es, eine robustere Portfoliostruktur zu generieren, um Stressphasen besser begegnen zu können.
Laufende Überprüfung: Strategie ist ein Prozess, kein Projekt
Kapitalallokation und Risikotragfähigkeit sind keine einmalig zu lösenden Aufgaben, sondern ein dauerhafter Steuerungsprozess. Eine wesentliche Erkenntnis ist dabei: „Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.“ (Christian Morgenstern)
Der kontinuierliche Überprüfungsprozess umfasst mehrere Bausteine:
1) Jährlicher Strategieprozess der Sparkasse
- Analyse des äußeren Umfelds (Weltwirtschaft, Zinslandschaft, Regulierung)
- Beurteilung der eigenen Situation (Kapitalausstattung, Investitionsbereitschaft, Risikoappetit)
- Abgleich der bestehenden Allokation mit den künftigen Ertrags- und Risikovorgaben.
2) Jährliche Asset-AllocationPlus-Analyse
Die von Helaba Invest durchgeführte Asset-AllocationPlus bietet:
- eine datenbasierte Sicht auf das bestehende Portfolio,
- Simulationsvarianten (z. B. unterschiedliche Allokationspfade und Zielbilder),
- eine Einordnung des Portfoliorisikos im Kontext der definierten Risikotragfähigkeit.
Die jährliche Überprüfung zeigt auf, ob die Entwicklung des Portfolios „auf Kurs“ ist oder ob Anpassungen notwenig sind.
3) Vergleich mit der Sparkassenorganisation über Asset-AllocationPlus Monitor:
- Abweichungen zur Peergroup,
- mögliche Optimierungsfelder,
- Best Practices im Verbund.
4) Laufender Austausch mit Kapitalmarktteilnehmern
Regelmäßige Gespräche mit dem professionellen Assetmanagement, Banken und anderen Investoren liefern Impulse, um bestehende Positionen zu hinterfragen, neue Produkte zu prüfen und Opportunitäten zu identifizieren.
Ergebnis und Ausblick: Zukunftssichere Kapitalanlage als Gemeinschaftsaufgabe
Die gemeinsame Erfahrung von Sparkasse Vorpommern und Helaba Invest zeigt, dass zukunftssichere Kapitalanlagen kein Zufallsprodukt sind, sondern das Ergebnis eines strukturierten, mehrjährigen Prozesses:
- Sukzessiver Aufbau mit klaren Zielquoten statt hektischer Umschichtungen
- Konsequente Diversifikation über Assetklassen, Emittenten, Regionen usw. hinweg
- Nutzung von Verrechnungspotenzialen durch geeignete Fondshüllen
- Kontinuierliche Überprüfung von Strategie und Portfolio mithilfe standardisierter Analysen und Benchmarks
- Vertrauensvolle Partnerschaft zwischen Institut und externem Assetmanager, die die fachliche Expertise mit den institutionellen Besonderheiten verbindet.
Angesichts der anhaltenden Marktvolatilität und den weiter steigenden regulatorischen Anforderungen wird dieser integrierte Ansatz weiter an Bedeutung gewinnen. Institute, die Kapitalallokation und Risikotragfähigkeit systematisch verzahnen, schaffen die Grundlage, ihre Kapitalanlagen langfristig ertragsstark und robust auszurichten – und damit ihre Rolle als stabile Finanzpartner in der Region nachhaltig zu sichern.
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