Unter Druck: Wie Energie, Inflation und Verschuldung die Kapitalmärkte beeinflussen
23.09.2026

Unter Druck: Wie Energie, Inflation und Verschuldung die Kapitalmärkte beeinflussen

Hinter uns liegt ein Sommer, der den Kapitalmärkten trotz anhaltender geopolitischer Brandherde – insbesondere des schwelenden Konflikts im Nahen Osten – eine beachtliche Widerstandskraft abverlangt hat. Während die Aktienmärkte in diesem Umfeld neue Allzeithochs ausbildeten und sich auch die Creditmärkte robust zeigten, litten die Zinsmärkte unter erneut aufflammenden Inflationsängsten. Für Auftrieb bei den Renditen sorgten zudem die mangelnde Haushaltsdisziplin der Industrieländer sowie die Sorge vor einer zunehmenden politischen Einflussnahme auf die Fed in den USA. Ebenso erhöhte die durch den neuen Notenbankchef Kevin Warsh proklamierte Abkehr von der klassischen „Forward Guidance“ die geldpolitische Unsicherheit unter institutionellen Anlegern.

Unter Druck: Wie Energie, Inflation und Verschuldung die Kapitalmärkte beeinflussen

Die Normalisierung der globalen Konjunktur verläuft mithin auf Zickzackkurs. Wenngleich wichtige Frühindikatoren eine moderate Erholung der Weltwirtschaft signalisieren, fußt diese maßgeblich auf der Fortsetzung des KI-Booms. Der Markt verbindet damit die Hoffnung, dass die enormen Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz einen nachhaltigen Innovations- und Effizienzschub in weiteren Wirtschaftssektoren auslösen. Der Beweis, dass sich diese Investitionen im Billionenbereich am Ende vollumfänglich monetarisieren lassen und nicht in „Sunk Costs“ münden, steht allerdings noch aus. Insofern bewegt sich die Weltwirtschaft auf einem schmalen Pfad zwischen berechtigtem Wachstumsoptimismus und dem Risiko spürbarer Bewertungskorrekturen, sollten die hohen Erwartungen enttäuscht werden.

In der vorliegenden Ausgabe unseres Newsletters zeigen wir auf, in welchen Assetklassen sich jetzt attraktive Opportunitäten bieten, arbeiten jedoch auch die schlummernden Risiken präzise heraus. In einem Kapitalmarktumfeld, das von ambitionierten Bewertungen bei den Risikoassets geprägt ist, steht eines fest: Aktives Management wird in den kommenden Quartalen zum zentralen Schlüsselfaktor für den Anlageerfolg!

Darüber hinaus richten wir den Blick auf zwei strategische Sonderthemen, die für institutionelle Portfolios aktuell von hoher Relevanz sind:

  • Bessents Eingriff am US-Staatsanleihenmarkt: Christoph Ostermair und Dr. Christopher Thiem werfen einen Blick auf die US-Staatsverschuldung und das erweiterte Buyback-Programm des US-Finanzministeriums. Sie analysieren, ob die Maßnahmen den Renditedruck am langen Ende vorübergehend abfedern können und wo die Grenzen einer fiskalisch getriebenen Ertrags- und Zinssteuerung liegen.
  • Infrastruktur integriert steuern: Max Glöckner zeigt auf, welche Risikovorteile und Renditepotenziale sich heben lassen, wenn ungelistete Infrastructure-Equity- und -Debt-Ansätze in einer ganzheitlichen Strategie perfekt zusammenspielen.

Herausfordernde Märkte sind immer auch die Stunde der Gestalter. Nutzen wir diese Dynamik gemeinsam als Chance: Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre und jede Menge inspirierende Impulse für eine erfolgreiche und zuversichtliche Portfolioarbeit!

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Biodiversität als Investmentthema: Engagement im Chemiesektor

Ökonomische Relevanz von Biodiversität im Asset Management am Beispiel der Chemiebranche

Biodiversität als Grundlage wirtschaftlicher Stabilität

Biodiversität, auch biologische Vielfalt genannt, beschreibt die Vielfalt des Lebens auf der Erde. Sie umfasst die Vielfalt von Ökosystemen, die Artenvielfalt sowie die genetische Vielfalt innerhalb einzelner Arten. Diese Ebenen sind eng miteinander verbunden und bilden die Grundlage stabiler und leistungsfähiger Ökosysteme.

Funktionierende Ökosysteme erbringen zentrale Naturleistungen wie sauberes Wasser, fruchtbare Böden, Bestäubung, Klimaregulierung und Luftreinigung. Diese Leistungen sind nicht nur ökologisch bedeutsam, sondern auch wirtschaftlich relevant. Sie ermöglichen Produktion, stabilisieren Lieferketten und sichern langfristige Wertschöpfung. [1]

Der Zustand der Biodiversität verschlechtert sich deutlich. Seit 1970 sind die überwachten Bestände wildlebender Wirbeltiere im Durchschnitt um rund 73 Prozent zurückgegangen, bei Süßwasserarten liegt der Rückgang sogar bei rund 85 Prozent. [2] gleichzeitig stehen zentrale Ökosystemleistungen zunehmend unter Druck. Der Verlust ausgewählter Naturleistungen wie Bestäubung, marine Fischerei und Waldleistungen könnte ab 2030 jährliche globale Wohlstandsverluste von bis zu 2,7 Billionen US-Dollar verursachen. Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind Landnutzungsänderungen, landwirtschaftliche Expansion, Übernutzung natürlicher Ressourcen, Verschmutzung und Klimawandel. [3]

Schwellenländeranleihen Safe Haven

Schwellenländeranleihen – der neue Safe Haven für Investoren?

Der Begriff „Safe Haven“ in Kombination mit Emerging Markets klingt ungewohnt und ist natürlich eine leichte Zuspitzung. Tatsächlich assoziieren wir Anleihen in Schwellenländern intuitiv mit Staatspleiten, Bankinsolvenzen, Hyperinflationen, politischen Kapriolen und hohen Zahlungsausfällen – Paradebeispiel des noch jungen 21. Jahrhundert dafür ist Argentinien. Wer an sichere Häfen denkt, hat für gewöhnlich eher Bundesanleihen, US-Treasuries oder hochliquide Investment-Grade-Corporate Bonds aus den Industrieländern vor Augen.

Aber ist dieses Bild noch zeitgemäß? Die durchschnittliche Verschuldung der sieben größten Indexgewichte der gängigen EM-Benchmark JP Morgan EMBI Global Diversified Index beträgt deutlich weniger als die Hälfte der Durchschnittsverschuldung der G7-Staaten. Das zeigt bei allen Unterschieden, dass solide Staatshaushalte keine Frage der Himmelsrichtung mehr sind. Eine Neuorientierung darüber, wo eigentlich sichere Häfen heutzutage liegen, scheint daher angebracht.

veröffentlicht in der „Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen“ 16/2026

In der Vielfalt liegt die Kraft Helaba Invest

Europäische Immobilienmärkte – in der Vielfalt liegt die Kraft

Für die europäischen Immobilienmärkte schien endlich ein neuer Zyklus greifbar: Nach der Krisenstimmung infolge des Zinsschocks 2022 hatten sich mit der Zeit und vor allem mit der Aussicht auf ein  berechenbareres Zinsniveau die Voraussetzungen für eine Stabilisierung und für neue Einstiegsgelegenheiten abgezeichnet. Doch seit Ende Februar setzen neue Inflationsrisiken und Zinssignale dahinter wieder ein großes Fragezeichen, von den konjunkturellen Implikationen ganz zu schweigen.

veröffentlicht in Finanzwelt 04/2026