Helaba Invest Risiko-Overlay Sicherheitsnetz
27.06.2025

Langfristige Investitionen am Kapitalmarkt zahlen sich aus, ein Risiko-Overlay als Sicherheitsnetz kann beim Durchhalten helfen

Im Rückblick auf die letzten Jahre am Kapitalmarkt lassen sich für Entscheider bei Sparkassen zumindest drei deutlich unterschiedliche Phasen festlegen. Zwischen 2014 und 2022 standen die Entscheider für die Eigenanlagen der Sparkassen vor einem schwierigen Dilemma: Die Möglichkeit, überschüssige Mittel bei der europäischen Zentralbank (EZB) zu parken, hatte weiterhin zwar Vorteile in der Eigenkapitalbelastung, Regulatorik oder operativen Fragestellungen. Gleichzeitig führten die negativen Einlagenzinsen zu garantierten nominalen (und realen) Verlusten. In diesem Umfeld wurde verstärkt nach ökonomisch attraktiveren Alternativen gesucht. Dabei galt es zu beachten, dass diese Alternativen wirtschaftlich und regulatorisch Risiken mit sich brachten, die entsprechend bewältigt werden mussten. In diesem Zuge öffneten viele Treasurer den Prozess der Anlage. Oft unter Einsatz von Spezialfonds wurde die Anlage verbreitert, um die Renditen unter gleichzeitiger Berücksichtigung von kaufmännischer Vorsicht zu erhöhen. Dies wurde Investoren, trotz zwischenzeitlicher Rückschläge durch Marktverwerfungen, in der Regel auskömmlich vergütet. So konnten risikoreichere Anlagen zwischen Anfang 2014 und Ende 2021 eine deutliche Mehrrendite gegenüber Geldmarkt erwirtschaften.

Helaba Invest Risiko-Overlay Sicherheitsnetz

1 A. EURO STOXX, B. iBoxx Eurozone 1-10, C. iBoxx Euro Germany Covered, D. iBoxx Euro Non-Financials, E. JPM EMBI Global Div. Euro Hedged, F. BofA Merrill Lynch Euro High Yield BB-B rated Constrained, G. EONIA

Ab Mitte 2022 änderte sich das Bild fundamental. Im Zuge der weltweit aufkommenden Inflation entschieden sich die Notenbanken, zunächst zögerlich, dann allerdings entschieden, mit Zinssteigerungen zu reagieren. Vom Juli 2022 hob die EZB den Leitzins von -0,5% auf 4,0% im September 2023. Eine Zeitenwende am Kapitalmarkt und für Verantwortliche in der Eigenanlage.

Obwohl höhere Zinsen im Grundsatz von vielen willkommen geheißen wurden (Stichwort Anlage aber auch Zinsmargen), galt es zunächst, einen schmerzhaften Anpassungsprozess zu verkraften. Defensiv eingeschätzte Anlagen wie europäische Pfandbriefe verloren deutlich mehr als 10% und fielen auf den Stand von 2013 zurück1Gemessen am iBoxx Euro Covered Total Return Index. Auch Aktien schwächelten und selbst die oft als resistent eingeschätzten Immobilien hatten zu kämpfen. Ein sehr schwieriges Umfeld, in dem nur wenige (alternative) Assetklassen wie Infrastruktur weiter gute Ergebnisse lieferten. In Summe für viele Investoren, selbst bei guter Diversifikation, ein sehr herausforderndes Jahr.

Der Erfolg der Eigenanlage kann nicht nur am Ertrag abgelesen werden. Es stehen auch operative und regulatorische Aufwendungen auf der Kostenseite. Die EZB bot plötzlich wieder eine Alternative ohne Aufwendungen und Kosten. Viele Investoren waren zumindest kurzfristig verlockt, dieses Angebot wahrzunehmen und den Kapitalmarkt temporär zu verlassen. Es gab es viele Diskussionen, ob es generell sinnvoll sein könnte, die hohen Zinsen zu nutzen oder doch lieber am Kapitalmarkt zu bleiben. Obgleich bei einer solchen Frage immer viele individuelle Punkte berücksichtigt werden müssen, zeigen langfristige Analysen, dass eine solche „Timing“-Strategie in der Regel nicht von Erfolg geprägt ist. Um dies unseren Kunden transparent zu machen, haben wir beispielhaft simuliert, wie sich eine statische Aktien-/Rentenallokation gegenüber temporären Allokationen am Geldmarkt historisch entwickelt hätte.2Annahmen: monatliche Rebasierung; alternative Allokation vom Zins-Peak bis zur letzten Zinssenkung des jeweiligen Zinssenkungszyklus, Total Return Indizes basieren auf S&P 500 Index, BBG US Gov/Credit Bond Index, Fed Target Rate Wie die Grafik zeigt, wäre einem solchen Investor sehr viel Rendite entgangen.

Abb. 1: Allokationsvarianten; Quelle: eigene Berechnungen; Stand: 31.03.2025

Unser Fazit lautete daher in der Regel, dass es sich Diversifikation lohnt und das Durchhalten der strategische Allokation unsere klare Empfehlung ist.

Die meisten Kunden sind unsere Empfehlung gefolgt, auch wenn nicht jeder der Verlockung hoher (nominaler) Zinsen vollständig widerstehen konnte. Die letzten beiden freundlichen Jahre am Kapitalmarkt, haben unterm Strich die Anleger belohnt, die einem stategischen Investment treu geblieben sind.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Weiterhin muss passgenau je Institut analysiert werden, welche Strategie sinnvoll ist. Folgende allgemeinen Tendenzen lassen sich aus unserer Sicht festhalten:

Das aktuelle Umfeld ist nicht einfach. Die optisch attraktiven EZB-Zinsen sind bereits deutlich gesunken, die politische Unsicherheit ist groß und ökonomisch stehen wir vor großen Herausforderungen. Es fällt leicht, sich in diesem Umfeld viele Negativszenarien auszumalen.

Aus unserer Sicht gilt es dabei, weiterhin die langfristigen Perspektiven nicht aus den Augen zu verlieren. Eine sinnvolle strategische Asset Allokation durchzuhalten, macht in der Regel den Großteil des Anlageerfolgs aus. Auch in der Vergangenheit gab es große Herausforderungen, die ein weiteres Ansteigen der Kapitalmärkte unwahrscheinlich erscheinen ließen. Trotzdem lässt sich in den meisten Kapitalmärkten ein positiver langfristiger Trend ausmachen.

Wie kann ein Sicherheitsnetz helfen?

Um diese langfristigen Renditen zu vereinnahmen, muss ein Investor allerdings auch (temporäre) Kursverluste hinnehmen können. Treten solche Verluste auf, wie z.B. 2020, 2022 oder auch jüngst im Zuge des „Liberation Days“, können Anleger gezwungen sein, Anlagen zu verkaufen, um die Risikokennziffern zu begrenzen. Die Begrenzung kann damit zwar in der Regel teilweise erreicht werden3abhängig von der Marktliquidität und Struktur des Investments. Gleichzeitig wird jedoch oft der Zeitpunkt zum Wiedereinstieg verpasst. Bei dieser Schwierigkeit kann ein Sicherheitsnetz in Form eines Risiko-Overlays helfen. Ein Risiko-Overlay reduziert in Stressphasen das Risiko im Fonds durch derivative Absicherung. Dabei können sowohl spezifische Risiken wie z.B. Aktienrisiken als auch das Gesamtrisiko einer breit diversifizierten Allokation gesteuert werden.

Ein flexibler Werkzeugkasten erlaubt es, auf die individuellen Zielvorstellungen der Sparkasse einzugehen. Mehr noch als bei anderen Problemstellungen am Kapitalmarkt lohnt ein detaillierter und offener Austausch zwischen Risikomanager und Investor. Welche Ziele stehen im Vordergrund? Das Einhalten einer jährlichen Wertuntergrenze, die Begrenzung von Verlusten oder das Management von Aktienrisiken? Wie wichtig sind explizite und implizite Kosten und welcher Rolle spielt der Wiedereinstieg? Alle diese Fragen (und noch viele mehr) sollten in der Diskussion um ein Sicherheitsnetz eine Rolle spielen.

Abb. 2: Beispielhafte Simulation einer Aktiensicherungsstrategie; Quelle: Bloomberg Daten und eigene Berechnungen; Stand: 29.12.2023

Fazit

In den letzten Jahren ist viel Aufwand in den Ausbau der Diversifikation geflossen und neue Assetklassen wurden erschlossen. Die Früchte dieser Arbeit gilt es langfristig zu ernten und weiter auszubauen, z.B. durch Infrastruktur oder Private Debt.

Die strategische Asset Allokation sollte weiterhin regelmäßig überprüft und sich den Bedürfnissen des Kunden sowie den neuen Marktgegebenheiten anpassen. Aber ein Verlassen des Marktes ist in unseren Augen der falsche Schritt. Ein unterstützendes Risiko-Overlay kann hier helfen, Zielkonflikte zwischen Marktchancen und Risiken aufzulösen.

Investments sind mit Risiko behaftet. Langfristig werden Anleger für diese Risiken aber vergütet. Dies sollte bei allen kurzfristigen Turbulenzen der Fokus bleiben.

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