Neupositionierung im veränderten Zinsumfeld
03.04.2025

Neupositionierung des Eigengeschäfts vor dem Hintergrund des veränderten Zinsumfelds

In Zeiten volatiler Märkte und stark gestiegener Zinsen hatten Geldmarktanlagen als Portfoliobaustein enorm an Bedeutung gewonnen. Eine Rückkehr von Diversifikationseffekten und die Einleitung des Zinssenkungszyklus durch die Zentralbanken im Jahr 2024 machen die Investition im Bereich des Geldmarktes zukünftig weniger vorteilhaft. Die relative Attraktivität anderer Assetklassen wie Unternehmensanleihen, Aktien, Immobilien oder Infrastruktur steigt wieder deutlich.

Neupositionierung im veränderten Zinsumfeld

Die hohe Inflation veranlasste die EZB im Juli 2022, die historische Nullzinsphase zu beenden. Die geopolitischen Spannungen, insbesondere der Konflikt in der Ukraine, trugen dazu bei, dass die Energiepreise stark anstiegen und Unternehmen sowie Verbraucher belasteten. Die Unsicherheit über die zukünftige Energieversorgung und die Auswirkungen der geopolitischen Lage auf die Wirtschaft hatten einen Rückgang des Anlegervertrauens zur Folge.

Die steigenden Zinsen führten an den Anleihemärkten zu deutlichen Kursverlusten und auch die Aktienmärkte gerieten durch die steigenden Finanzierungskosten für Unternehmen unter Druck. Die Korrelation zwischen verschiedenen Anlageklassen nahm zu, was bedeutete, dass selbst traditionell diversifizierte Portfolios deutlich weniger Schutz vor der erhöhten Volatilität an den Märkten bieten konnten.

Dies veranlasste Anleger dazu, vermehrt in kurzlaufende Anleihen im Bereich des Geldmarkts zu investieren, um sich den schnell verändernden Marktbedingungen anzupassen. Angesichts des sehr ausgeprägten Anstiegs der Zinssätze suchten insbesondere Banken und Finanzinstitute nach Möglichkeiten, ihr Zinsrisiko zu minimieren. Die Investitionen in kurzlaufende Anleihen konnte ebenso dabei helfen, Liquiditäts- und Kapitalanforderungen einzuhalten.

Die Maßnahmen der EZB zeigten Wirkung und die Inflationsrate sank im Verlauf des Jahres 2023. Gleichzeitig musste die EZB auf ein stagnierendes Wirtschaftswachstum und eine schwache Konsumentwicklung reagieren. Im Sommer 2024 erfolgte der geldpolitische Kurswechsel und die EZB begann, die Zinsen wieder zu senken.

Weitere Zinssenkungen in 2025 – Wie tief geht die EZB?

Am 6. März diesen Jahres hat die EZB den Einlagenzinssatz erneut um 25 Basispunkte auf 2,5% gesenkt. Damit ist es die sechste Senkung seit Einleitung des Zinssenkungszyklus im Jahr 2024. In ihrem Statement hat die EZB angekündigt, dass die Geldpolitik für den Euroraum zukünftig „spürbar weniger restriktiv“ umgesetzt werden soll. Gleichzeitig wurden die Wachstumsprognosen für die Jahre 2025-2027 erneut gesenkt. Die Revision der Wachstumsprognosen ist das Ergebnis von rückläufigen Exporten und anhaltend schwachen Investitionen. Diese Entwicklungen lassen sich unter anderem durch die erhebliche Unsicherheit in der internationalen Handelspolitik sowie durch die (geo-) politische Instabilität erklären.

In Bezug auf die Inflation geht die EZB jedoch davon aus, dass sich diese in diesem Jahr nachhaltig im Bereich des Zielwerts von 2% stabilisieren wird. Die anhaltend hohe Binneninflation wird mit dem zeitverzögerten Nachlauf von Lohn- und Preisanpassungen zum vergangenen Inflationsschub erklärt. Den neutralen Zinssatz hatte die EZB im Januar auf einen Wert zwischen 1,75% und 2,25% geschätzt. Es ist also aktuell von mindestens einer weiteren Zinssenkung für 2025 auszugehen. Sollte das Wirtschaftswachstum weiter hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnte auch eine stärker akkommodierende Geldpolitik der EZB notwendig werden. Wenn die jüngst angekündigten Pläne für enorme Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur von den EU-Mitgliedsstaaten realisiert werden, könnte dies allerdings einen entsprechend kompensierenden Effekt haben.

Relative Attraktivität risikoreicherer Kapitalanlagen steigt wieder

Nachdem Anleger in den vergangenen zwei Jahren im Bereich des Geldmarkts – ohne nennenswerte Risiken einzugehen – sehr attraktive Renditen erwirtschaften konnten, wird diese Situation durch den Zinssenkungszyklus der Zentralbanken zunehmend aufgehoben. War die Zinsstrukturkurve der deutschen Bundesanleihen zum Ende des Jahres 2023 noch invers, so zeigte diese im Verlauf des Jahres 2024 eine zunehmende Versteilerung. Der Spread zwischen zehn- und zweijährigen Bundesanleihen liegt mittlerweile wieder im positiven Bereich und ist auf rund 70 Basispunkte gestiegen. Damit wird nicht nur die Investition in mittlere und längere Laufzeiten wieder vorteilhafter, auch die relative Attraktivität anderer Assetklassen wie Unternehmensanleihen, Aktien, Immobilien oder Infrastruktur steigt wieder. Kurzfristige Geldmarktanlagen werden im veränderten Zinsumfeld im Jahr 2025 und den folgenden Jahren keine wirkliche Alternative zu einer diversifizierten Anlagestrategie bieten.

Abb 1 Renditen Im Mittleren Laufzeitbereich

Abb. 1: Renditen der DE-Staatsanleihen zum jeweiligen Stichtag und Laufzeiten; Quelle: Bloomberg, Helaba Invest; Stand: März 2025

Weitere Einblick in unsere Einschätzungen finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe „Highlights aus dem Asset Management – Märkte & Meinungen“.

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Mit über 20 Jahren Berufserfahrung im Bereich Real Assets bringt Herr Meyer ein breites Fachwissen sowie fundierte Marktkenntnisse in seine neue Rolle ein. Bei der Helaba Invest ist er im Geschäftsfeld Alternative Investments tätig.